Discounter und ihre Fair Trade-Eigenmarken auf dem Prüfstand
Es ist nicht neu, dass auch Discounter zum „Fairdenken“ übergehen und sich den Verkauf fair gehandelter Produkte auf die Fahne schreiben. Vor einiger Zeit habe ich bereits über das Fair
Trade-Siegel berichtet, das der gemeinnützige Verein TransFair unter bestimmten Voraussetzungen vergibt.
Wer heute einen Gang in den Discounter um die Ecke wagt, wird sehen, dass dies oftmals nicht das einzige Zeichen ist, das uns auf Getränke- oder Schokoladenverpackungen begegnet.
Was bei Lidl „Fairglobe“ heißt, nennt Aldi Süd „One World“ und die Rapunzel Naturkost AG „Hand in Hand“. Doch was bedeuten die bunten Bildchen und warum sind sie oftmals neben dem bekannten
TransFair-Siegel zu finden?
Lidl und Aldi Süd als Vertragspartner von TransFair
Besonders die zweite Frage ist leicht beantwortet: Lidl und Aldi Süd sind Vertragspartner von TransFair, da sie mit dem Verein einen Lizenzvertrag abgeschlossen haben.
Darin verpflichten sie sich, die internationalen Fair Trade-Standards einzuhalten. Im Gegensatz dazu erlaubt ihnen TransFair, dass sie entsprechende Produkte mit dem Fair Trade-Siegel auszeichnen
dürfen.
„Fairglobe“ und „One World“ sind hingegen eigene Namenskreationen, also Eigenmarken der Handelsketten, mit der fair gehandelte Lebensmittel zusätzlich versehen werden – sei es zu Zwecken der
Kundenbindung oder Bereitstellung unverwechselbarer Produkte. Während Lidl seit 2006 regelmäßig fair gehandelte Artikel anbietet, handelt es sich bei Aldi Süd eher um Aktionsware, die zu
bestimmten Zeiten sehr intensiv beworben wird.
TransFair in der Kritik
Insbesondere für die Kooperation mit Lidl wurde TransFair von verschiedenen Seiten sehr heftig beschossen. Kein Wunder, scheinen doch „Fair Trade“ und „Discountpreis“ wie entgegengesetzte Pole.
Hinzu kommt das angekratzte Image der Handelskette, die noch vor einigen Jahren Schlagzeilen zum Thema Mitarbeiterüberwachung machte und aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen kritisiert
wurde.
Der Verein konterte und versuchte mit dem Argument zu überzeugen, dass man nur durch die Öffnung gegenüber Discountern Fair Trade-Produkte an den Mann bringen kann. Außerdem, so argumentierte
TransFair damals, wurden keine Zugeständnisse in Bezug auf Preise und markenrechtliche Fragen während der Verhandlungen mit Lidl gemacht.
Die Alternative: Unabhängige Eigenmarken
Ein Siegel, das nicht mit TransFair in Zusammenhang steht, ist „Hand in Hand“. Die Rapunzel Naturkost AG wählte einen anderen Weg und versichert, dass Produkte dieser Eigenmarke zu mindestens 50
Prozent aus fairem Handel stammen.
Die Begründung des Lebensmittelproduzenten gegen eine Zusammenarbeit: TransFair verlange bestimmte Unternehmensformen für die Zertifizierung, womit Handelsbeziehungen zu bestimmten ökologischen
Betrieben nicht aufrecht erhalten werden könnten. Somit musste nach eigenen Standards eine unabhängige Marke kreiert werden, deren Produkte trotzdem regelmäßig kontrolliert werden sollen.
Der wahre Sinn hinter Fair Trade?
Ob Discounter den Sinn des fairen Handels wirklich verinnerlicht haben, ist zweifelhaft, wenn neben Fair Trade-Kaffee Turnschuhe für 12,99€ zu finden sind.
Zwangsläufig stellt sich die Frage, ob im Speziellen Lidl versucht sein angekratztes Image mithilfe der Bewerbung fair gehandelte Artikel aufzupolieren. Auf der anderen Seite steht das Argument
der Öffnung des Markts von TransFair, denn es ist kein leichtes Unterfangen Fair Trade-Produkte an die breite Bevölkerung zu bringen. Warum sollte man also nicht in den Discount-Supermärkten
anfangen? Auch in Zukunft wird sich diese Frage stellen, wenn TransFair mit potentiellen Vertragspartnern verhandelt. Mit Sicherheit (und glücklicherweise) wird dann auch wieder heftig diskutiert
und sich vielleicht auf den ursprünglichen Fair Trade-Gedanken besonnen.