Espressotassen: Hast du alle (richtigen) Tassen im Schrank?

Espressotassen Guide - Happy Coffee

Espressotassen, pfff... Was will man dazu groß erzählen? Falls das gerade dein Gedanke war: Überraschend viel, wie allein der Vergleich zum Wein zeigt. Weine haben 400 Aromen, die sich durch sorgfältiges Dekantieren und in den entsprechenden Gläsern am besten entfalten. Nun, wusstest du, dass sich Kaffee aus über 800 Aromen zusammensetzt? Und um sie wirklich genießen zu können, spielen neben der Zubereitung und Bohnen-Qualität auch die Tassen, aus denen getrunken wird, eine große Rolle. Logo, dass mich als Espressofan hierbei Espressotassen besonders interessieren.

Mein Name ist Nils, und im Beitrag zur Flair Espresso habe ich mich bereits kurz vorgestellt. Viel geändert hat sich seitdem nicht: Meinen Kaffee trinke ich immer noch schwarz und am liebsten in Form von Espresso, um Aromen und Geruch unverfälscht genießen zu können. Vor einer Trainingseinheit dürfen es auch gerne mal zwei Tassen sein ;-) Im Gegensatz zu James Bond, der klassisch mit „geschüttelt, nicht gerührt“ bestellt, ist das kurze Umrühren für mich Pflicht, doch dazu später mehr. Genauso wichtig sind die passenden Espressotassen.

Espressotassen - Happy Coffee

In diesem Beitrag soll es darum gehen, wieso Espresso eigentlich spezielle Espressotassen braucht, warum ihre Eigenschaften für den Geschmack durchaus wichtig sind, und welche Rolle das Material der Tasse (Porzellan, Glas etc.) für den Trinkgenuss spielt. Dazu habe ich mit dem Inhalt meines Küchenschranks – dick- und dünnwandige Espressotassen für einen einfachen und doppelten Espresso, Omas Porzellantassen, Espressogläser, Emaillebecher und einen To-Go-Becher – eine aufschlussreiche Verkostung durchgeführt.

1. Fakt ist, Espresso ist ganz anders als Kaffee

Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Ich persönlich würde einen guten Espresso jedenfalls so beschreiben: Aromatisch, vollmundig, leicht süßlich und mit einem Duft, der die ganze Küche füllt, mit leichten Noten von dunkler Schokolade und angenehmer Säure. Der „kleine Schwarze“ ist aus verschiedenen Gründen ganz anders als Kaffee, und gehört in spezielle Espressotassen.

1.1 Espressobohnen: Kräftigere Röstung, feinerer Mahlgrad

Espressoröstungen sind kräftiger als Filterröstungen. Wer denkt, man könne sie aber allein an der sehr dunkelbraunen Farbe der Bohnen erkennen, der irrt jedoch. Denn im Zuge der „Third Wave-Kaffeebewegung“ setzten sich mit qualitativ hochwertigen Sorten zunehmend hellere Röstungen durch. Die helleren Röstungen erlauben es, den ursprünglichen Charakter der Bohnen bzw. ihre typischen Aromen (z.B. Frucht- oder Zitrusnoten) besser herausarbeiten, anstelle sie durch zu starke Röstnoten zu übertünchen bzw. zu vernichten. Je heller die Kaffeebohnen, umso eher kommen ihre Frucht- und Zitrussäuren zur Geltung – mit der Röstdauer werden sie hingegen immer weiter abgebaut.

Auch der viel feinere Mahlgrad unterscheidet Espresso von Filterkaffee, wie dieser Mahlgrad Guide zeigt. Die Bohnen werden so fein gemahlen, um trotz der sehr kurzen Kontaktzeit des Wassers mit dem Kaffeemehl – unter großem Druck im Siebträger der Espressomaschine – ein Optimum an Aromen zu extrahieren. Übrigens ist der kurzen Extraktionszeit auch die tendenziell kräftigere Röstung geschuldet, da jene das schnelle Extrahieren von Aromen erleichtert.

Espressotassen - Espressomühle - Mahlgrad

1.2 Zubereitung: Kleine Menge dank starker Brew Ratio

Espresso ist ein sehr konzentriertes Getränk. Das liegt an der sogenannten Brew Ratio, die das Verhältnis von Kaffeemehl zum Brühwasser angibt. Während dieses „Brührezept“ bei den gängigen Filterkaffee-Arten etwa 1:15 bis 1:17 beträgt, liegt es beim Espresso bei 1:2 oder 1:2,5 bzw. 1:3, wenn man es etwas schwächer mag.

Übersetzt heißt beispielsweise eine Brew Ratio von 1:2, dass du für einen klassischen Espresso (ca. 25ml) etwa 12,5 Gramm Kaffeemehl nimmst. Das Ganze solltest du mit 20 bis 30 Sekunden Durchlaufzeit, 9 bar Druck und Temperaturen zwischen 90 und 95°C Grad in die Tasse bringen. Magst du es etwas sanfter, dann erhöhe das Brühverhältnis auf 1:3, was ungefähr 8 Gramm Kaffeemehl auf 25 ml Brühwasser entspricht. Je nach Geschmack und Sorte lohnt es sich, mit der Brew Ratio ein wenig zu experimentieren.

Viele Espressotassen fassen 70 bis 90ml, damit ein einfacher als auch ein doppelter Espresso mit genug „Luft“ für die Crema hineinpasst. Sie sind insgesamt deutlich kleiner als „normale“ Kaffeetassen: Es ist zwar weniger drin, dafür schmeckt es hocharomatisch.

Apropos Brew Ratio: Stärker gebrüht bedeutet, das Espresso pro Milliliter auch mehr Koffein als Filterkaffee enthält. Wegen der kleineren Füllmenge von Espressotassen nimmst du auf die Tasse gerechnet letztlich aber weniger Koffein zu dir, als es bei einer Tasse Kaffee der Fall ist. Es sei denn, du trinkst zwei oder drei ;-)

Espressotassen - Brew Ratio

1.3 Crema: Die Krönung von Espressotassen

Sie ist das, was man oben in Espressotassen sehen will: Die Crema, eine feincremige Schicht auf dem Espresso. Satte Crema sieht zunächst einmal schön aus, ist aber allein noch kein Qualitätsmerkmal. Selbst Kaffeemaschinen mit doppelwandigem Filtersieb als künstlichem Widerstand können Crema erzeugen, allerdings ist die oft instabil. Ganz im Gegensatz zur standhaften (weil mit viel Druck erzeugten) Crema aus der Siebträgermaschine.

Gute Crema verfliegt nicht sofort und ist möglichst goldbraun – je dunkler, desto dunkler sind meistens die Bohnen geröstet worden. Auch die Bohnenart selbst beeinflusst die Crema in den Espressotassen: So produziert etwa eine Kaffeemischung aus Arabica und mit Robusta wie der Happy Coffee Chiapas Intense eine festere Crema, weil Robusta zwar weniger Lipide, nach dem Rösten aber mehr CO2 enthält.

Espressotassen - Espresso - Crema

2. Espressotassen: Grundlegende Eigenschaften

Bei all den bereits besprochenen Unterschieden zwischen Kaffee und Espresso sollte es demzufolge auch Unterschiede in der Beschaffenheit der Tasse geben. Die ersten Espresso-Bars eröffneten um 1900 in Italien; anfangs wurden Mokkatassen verwendet. Auf Basis dieser entwickelten sich später Espressotassen mit geringerer Füllmenge, gerechnet immer bis zum Rand.

2.1 Espressotassen Größe: Klein aber fein

Damit du dasselbe Modell für einen einfachen (ca. 25ml) als auch einen doppelten Espresso (ca. 50ml) verwenden kannst, empfehlen sich Espressotassen oder Gläser mit einer Größe von 70ml bis 90ml. Vor allem, wenn du deinen Espresso vielleicht mit etwas mehr Wasser (30 – 35 ml) aufbrühst – natürlich gemäß Brew Ratio auch mit mehr Kaffeemehl.Großzügig dimensionierte Espressotassen sind ebenfalls sinnvoll, wenn du Espresso Lungo magst, also einen einfachen Espresso mit heißem Wasser verlängerst. Beim Italiener bekommt man aber teils kleinere Tässchen vorgesetzt, in die wirklich nur ein einfacher Espresso oder ein Ristretto (Hälfte der üblichen Wassermenge bzw. Brew Ratio 1:1) hineinpasst.  

Wer sich nun fragt, warum spezielle Espressotassen mit ihren kleinen Dimensionen nötig sind: Einerseits, damit der Espresso nicht so schnell auskühlt bzw. die Tasse trotz der geringen Flüssigkeitsmenge gut die Wärme speichert. Andererseits haben sie einen praktischen Effekt, weil sie vor allem mit einer Kaffeewaage gerade noch bequem unter den Auslauf des Siebträgers passen. Anders als normale Tassen oder etwa ein großes Latte Glas! Für einen Caffè Latte wird darum zuerst die geschäumte Milch ins Glas und danach der (in Espressotassen gezogene) Espresso durch die Schaumschicht hindurch gegossen, woraufhin sich die typisch geschichtete Optik ergibt.

Espressotassen Größe - Kaffeewaage

2.2 Espressotassen Stärke: Dünn-, dick- oder doppelwandig?

Die Quintessenz für Tassen und insbesondere relativ kleine Espressotassen lautet: Je geringer der Inhalt, desto besser sollte das Gefäß isolieren. Dazu muss es aus Material sein, das gute Eigenschaften zur Wärmespeicherung aufweist – sprich, doppel- bzw. dickwandig.

Edle Tassen für andere Getränke wie zum Beispiel Tee sind oft sehr dünnwandig, was schnelleres Abkühlen auf Trinktemperatur erlaubt – in diesem Fall aufgrund der größeren Flüssigkeitsmenge durchaus wünschenswert. Doch ein Espresso ist eben anders und würde in einer solchen Tasse zu schnell auskühlen. Selbst wenn eine dünnwandige Tasse vorgewärmt wäre, ist ihre Fähigkeit zur Wärmespeicherung immer sehr begrenzt.

Hier kommen dickwandige Espressotassen ins Spiel, im Idealfall aus Porzellan. Sie besitzen im Verhältnis zur relativ kleinen Füllmenge mehr Material, um Wärme zu speichern. Wichtig: Sie müssen vorgewärmt werden, sonst schlägt der Effekt ins Gegenteil um! Denn wurde die Tasse vor dem Eingießen nicht auf der Kaffeemaschine oder mit heißem Wasser vorgewärmt, trifft der heiße Espresso auf eine zu kalte Tasse und verliert umso schneller an Wärme.  

Espressotassen

Eine Alternative sind doppelwandige Espressotassen aus Glas, die die dickwandige Optik durch eine Isolationsschicht aus Luft ersetzen. Da Luft ein schlechter Wärmeleiter ist, bleibt das Innere heiß und die Außenwand gleichzeitig kalt genug, sodass keine Henkel benötigt werden. Wenn sich das Material hingegen auch außen erwärmt – wie bei einigen dickwandigen Espressotassen der Fall – ist ein Henkel aber von Vorteil.

2.3 Espressotassen Form & Farbe: Geschmacksache!

Sehen wir einmal von den Materialeigenschaften von Espressotassen ab und blicken auf die Optik: Sie ist (was Muster, Farbe, Design etc. betrifft) natürlich reine Geschmacksache. Allerdings haben schon Studien wie Van Doorn et al. 2014 nachgewiesen, dass die Farbe der Tasse sich auf den Geschmack eines Getränks auswirken kann:

A white cup does make coffee taste “significantly more intense.” Why? Because the brown color of the coffee “pops” out against the white, and people associate the color with bitterness. But clear cups have just the opposite effect, the researchers discovered, enhancing the drink’s perceived sweetness. Blue mugs, meanwhile, just amp up everything, supposedly enhancing both the perceived sweetness and bitterness. (Grubstreet)

Espressotassen - Form und Farbe

Doch kann die Form der Tasse den Geschmack des Kaffees ebenfalls beeinflussen? Mit dieser Frage hat sich eine Studie von Van Doorn et al. (2017) auseinandergesetzt und kann sie eindeutig mit „Ja" beantworten. Laut den Forschern werden niedrigere Tassen mit einem bittereren Geschmack als hohe Tassen assoziiert; und Kaffeetassen mit breiterem Durchmesser erwecken eher das Gefühl von süßen Noten. Soll der Kaffee insgesamt aromatischer wirken, empfehlen sich Tassen mit geringerem Durchmesser und hohem Rand – vielleicht auch ein Grund, warum Espressotassen genauso aussehen? Den Autoren zufolge beeinflusst die Tassengröße sogar, wie angemessen der Preis eines Kaffees empfunden wurde.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Kaffee bzw. Espresso in kleinen, engen und schlanken Tassen vermutlich als kräftiger, intensiver und bitterer eingeschätzt wird.

2.4 Espressotassen Extras: Löffel und Unterteller

Braucht es zum Espresso einen Löffel? Ich würde klar „Ja“ sagen, selbst wenn du deinen Espresso ohne Zucker trinkst. Denn zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Extraktion werden im Espresso unterschiedliche Aromen gelöst und bilden in der Tasse verschiedene Schichten. Mit einem Löffel und kurzem, leichten Umrühren erreichst du, dass dein Espresso runder schmeckt und kannst die Crema durchbrechen – die für sich allein eher bitter ist. Doch falls du genau das magst, kannst du sie natürlich auch gezielt ablöffeln ;-)

Espressotassen - Löffel und Unterteller

Einen Unterteller brauchen Espressotassen übrigens nicht unbedingt. Auf jeden Fall bietet er Platz genug für Löffel, Zucker und Keks 😉

2.5 Preis: Was dürfen Espressotassen kosten?

Preislich bekommt man eine gute Espressotasse ab 5 Euro pro Stück, wobei diese häufig im Set angeboten werden – so hat man immer genug saubere Tassen zur Hand. Online gibt es ein großes Angebot, wobei ich persönlich es einfacher finde, Espressotassen im Laden vor Ort zu kaufen, da man sich dort sofort einen Eindruck über die Haptik verschaffen kann.

3. Espressotassen im Test: Macht das Material geschmacklichen einen Unterschied?

Unterschiedliche Tassenformen wirken sich also auf den Geschmack aus. Doch wie verhält es sich, abgesehen von den bereits erwähnten Eigenschaften zur Wärmespeicherung, mit unterschiedlichen Materialien? Schmeckt Kaffee aus einer dickwandigen Porzellantasse anders als aus einer Emailletasse oder einem doppelwandigen Glas? Ich wollte es gern testen, aber eine mögliche Voreingenommenheit durch eigene Vorlieben – bzw. eine gewisse Erwartungshaltung nach dem Lesen der genannten Studien – vermeiden. Also habe ich mir einige Freunde zur Kaffeeverkostung nach Hause eingeladen.

Im Glauben, verschiedene Bohnen serviert zu bekommen, sollte sich jeder meiner Freunde seinen Favoriten heraussuchen. Tatsächlich habe ich aber jedes Mal den Chiapas von Happy Coffee verwendet, da diese Sorte mit ihren weichen Aromen und geringem Säureanteil in meinen Augen am besten geeignet war. Beim Aufbrühen habe ich Komponenten wie Tasse Vorwärmen, Kaffeemenge und Mahlgrad, Durchlaufzeit sowie Brew Ratio konstant gehalten, um wiederholbare Ergebnisse zu erzielen. Die einzige Variable, die ich beim (geheimen) Espressotassen-Test veränderte, war also lediglich das Trinkgefäß. Mal aus Porzellan, mal aus Glas, mal aus Emaille.

Espressotassen Test - Happy Coffee

Nun stelle ich euch kurz die verschiedene Tassen- und Materialarten vor, die ich getestet habe, erkläre die grundlegenden Materialeigenschaften und wie sie unter den Testern abgeschnitten haben. Natürlich ist mein Test zuhause eher als kleines Experiment anzusehen und erhebt keinen Anspruch darauf, wissenschaftliche Gütekriterien zu erfüllen. Dennoch war es spannend zu sehen, inwieweit sich die Ergebnisse aus der oben erwähnten Studie unter meinen Freunden bestätigen oder gar widerlegen lassen.

3.1 Espressotassen aus Porzellan

Porzellan zeichnet sich durch seine hohe Formstabilität und Festigkeit aus, ist des Weiteren unempfindlich gegenüber den meisten Säuren und Laugen, und sehr hitzebeständig. Eine der wichtigsten Eigenschaften ist wohl die Geschmacksneutralität – Porzellan nimmt durch seine Oberflächenbeschaffenheit in der Regel keine fremden Geschmäcker an. Perfekt für Espressotassen bzw. Espresso, der nur sein eigenes Aroma entfaltet.

Im Test hatte ich eine große, eher flache Porzellantasse von Cilio mit etwas über 100 ml Fassungsvermögen und weitem Durchmesser, sowie eine kleinere Porzellantasse von Zeller mit hohem Rand und schmalem Durchmesser. Beide sind dickwandig und schnitten bezüglich der Isolationseigenschaften gut ab. Nach fünf Minuten hatte das anfänglich kochende Wasser in der kleinen Tasse noch knapp 60°C und in der großen 56°C – ein Unterschied, der sich unter anderem durch die größere Verdunstungsoberfläche letzterer erklären lässt.

Beide Espressotassen waren haptisch angenehm, wobei besonders die größeren warmen Porzellantassen bei den Testern als auch bei mir das Bedürfnis erweckten, sie etwas länger in der Hand zu halten und am Kaffee zu riechen.

Den Kaffee aus der kleinen und schmalen, dafür aber hohen Espressotasse beschrieben die Testpersonen in meinem kleinen Heimtest als eher bitter und kräftig. Hingegen wurde derselbe Kaffee aus der doppelten Espressotasse mit größerem Durchmesser und niedrigem Rand als eher süß und gut ausbalanciert beschrieben.

Espressotassen im Test - Happy Coffee

Die größere Tasse schnitt, was den Kaffeegenuss anbelangt, unter allen getesteten Tassen insgesamt am besten ab. Sie ist, wann immer ich einen doppelten Espresso trinke, auch meine erste Wahl – da kleinere Modelle sonst bis unter den Rand gefüllt wären. Meine anfängliche Befürchtung, dass aufgrund der dickeren Wand keine zwei Espressotassen nebeneinander unter einen doppelten Ausguss des Siebträgers passen, hat sich bis heute übrigens noch nicht bestätigt.

3.2 Espressotassen aus Glas

Espressotassen aus Glas von DeLonghi habe ich zwar zuhause, muss aber gestehen, dass ich sie selbst kaum benutze, da sie mir einfach nicht sympathisch sind. Doppelwandige Gläser haben sehr gute Isolationseigenschaften: In meinem Test schnitten sie mit knapp 60°C nach fünf Minuten genauso gut ab wie dickwandiges Porzellan. Unabhängig von der Temperatur des Inhalts lassen sie sich außerdem immer gut in der Hand halten und sind in der Regel auch geschmacksneutral. Doch bis jetzt bin ich mit ihnen nicht ganz warm geworden.

Gerade weil Espressogläser nicht mein Fall sind, waren unvoreingenommene Tester aus meinem Freundeskreis umso wichtiger. Ein einfacher Espresso im Glas wurde von ihnen geschmacklich als „dünn“ und wenig aromatisch beschrieben, was sich auch mit meinen eigenen Erfahrungen deckt. Bei Milchgetränken mag das natürlich wieder anders sein, doch um das zu beurteilen, bin ich als Trinker von „Kaffee schwarz ohne alles“ wohl der Falsche.

Optisch sehen Espressogläser auf jeden Fall großartig aus und die Crema kommt mit ihnen wunderbar zur Geltung, ebenso wie ein schön geschichteter Latte Macchiato oder ein Caffè Latte in einer entsprechend größeren Variante.

Espressotassen aus Glas - Espressoglas

3.3 Espressotassen aus Emaille

So eine habe ich übrigens nur zuhause, weil sie ein Geschenk war, benutze sie aber kaum. Aufgrund ihrer Beschichtung sind Emailletassen der ideale Outdoorbegleiter: Leicht zu reinigen, robust gegenüber Stößen, Kratzern und Schlägen, rost- und hitzebeständig – klingt doch eigentlich perfekt, oder? Naja, ein in meinen Augen großer Nachteil ist die kaum vorhandenen Isolierungsfähigkeit!

Im Test erhitzte sich die Außenseite meiner Emailletasse auf knapp 80°C, dafür war der Inhalt nach fünf Minuten bereits auf knapp 40°C ausgekühlt. Das fiel auch den anderen Testern auf. Denn wer die Tasse nicht am Henkel griff, verbrannte sich daran schnell mal die Finger. Vielleicht auch Teil des Camping-Flairs? 😉

Geschmacklich reihte sich die Emaille-Tasse im Mittelfeld ein. Daraus getrunken wurde der Espresso als aromatischer und unverfälschter als aus dem Glas beurteilt, wobei der Trend eher in Richtung der bitteren Aromen ging.

Espressotassen aus Emaille

 

Übrigens: Wer einfach den Look mag, aber trotzdem etwas Hitzebeständigeres möchte – es gibt auch Espressotassen aus Keramik im Emaille-Look. Vielleicht ein guter Kompromiss?

3.4 Espresso aus dem To Go Becher

Im Test hatte ich außerdem den Emsa To-Go-Becher. Mit knapp 200 ml Fassungsvermögen bietet er genug Platz, auch für einen Americano. Mein doppelter Espresso kommt mir mit seinen ca. 60ml darin schon fast etwas verloren vor. Zwar lässt sich der Emsa-Becher mit einem Deckel verschließen, der sehr zuverlässig vor Überschwappen (z.B. im Auto) schützt; hundertprozentig dicht ist er jedoch nicht, da der Dampf den Deckel aufgrund eines fehlenden Ventils etwas nach oben hebt. Durch die äußere Gummierung ist er sehr handlich und die Tatsache, dass er spülmaschinenfest ist, sollte auch erwähnt werden.

Positiv: Das Material des Emsa To-Go-Bechers schlägt sich kaum im Geschmack nieder. Einen Standard Papp-Becher, wie man ihn oft sieht, schlägt er nicht nur ökologisch, sondern auch geschmacklich um Längen und ist eindeutig die bessere Alternative für alle, die ihren Kaffee gerne unterwegs trinken.

Espressotassen - Emsa To Go Becher

Und wie sieht es mit den inneren Werten aus? Nach 30 Minuten misst mein Thermometer noch über 60°C und nach einer Stunde war mein Espresso beim Trinken noch immer angenehm warm (normalerweise überlebt er nicht so lange).

4. Mein Tipp zum Espresso-Genuss: Warm muss sein!

Neben meiner persönlichen Regel „Schwarz, ohne Zucker“ ist mir ein Grundsatz fast genauso wichtig: Espresso muss heiß sein!!! 😉 Denn kühlt er beim Extrahieren ab, entwickeln sich schnell unerwünschte, bittere Aromen. Eine Ausnahme stellt Schockkühlung mit Eiswürfeln dar, was wiederum ein anderes Thema ist.

Zum Tassen erwärmen haben Espressomaschinen eigens dafür vorgesehene Vorrichtungen. Aber gehen wir mal davon aus, dass ihr genauso vergesslich seid wie ich: Obwohl meine Espressomaschine einen Timer besitzt, der sie jeden Morgen um 05:30 Uhr einschaltet, vergesse ich fast jeden Abend, die Espressotassen zum Vorwärmen daraufzustellen. Deshalb mache ich es zumeist wie folgt: Um die Tasse vorzuwärmen einfach den leeren Siebträger einspannen und einen Leerbezug durchführen. Das sorgt dafür, dass sowohl die Brühgruppe als auch die Tasse warm genug sind.

Espressotassen vorwärmen

Die ideale Trinktemperatur für Espresso liegt übrigens bei 60 bis 65°C, wobei dies wohl sehr individuell ist. Wird er zu heiß getrunken, kommen die meisten Aromen kaum zu Geltung; zudem kann eine zu heiße Trinktemperatur generell (egal bei welchem Getränk!) das Risiko für Speiseröhrenkrebs erhöhen. Kühlt Espresso hingegen zu lange ab, schmeckt er fad. Deswegen: Nach dem Brühen kurz abkühlen lassen, aber dann nicht mehr zu lange mit dem Trinken warten.

Zum Espresso wird im Café übrigens standardmäßig ein Glas Wasser serviert. Um den Grund hierfür ranken sich diverse Mythen. Lange war man beispielsweise der Meinung, dass Kaffee dem Körper Wasser entzieht – was so nicht stimmt, wie du hier nachlesen kannst. Eine weitere Theorie besagt, dass ein Glas Wasser vor dem Kaffeegenuss den Mund von fremden Aromen reinigen soll, andere wiederum, dass durch das Wasser der Kaffee im Magen verlängert und somit bekömmlicher wird.

Espressotassen - Espresso und Wasser

Ganz egal ob mit oder ohne Wasser, ob mit Zucker oder ohne, aus Espressotassen, Glas oder Emaillebecher – Geschmäcker sind verschieden. Also Hauptsache, ihr genießt euren Espresso!

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Über den Autor: Nils von Münster-Kistner ist angehender Physiotherapeut und betreibt in seiner Freizeit Triathlon, Yoga und viele andere Sportarten. Seine Liebe zum Kaffee entdeckte er während einer vorangegangenen Ausbildung zum Hotel und Tourismuskaufmann. Nebenbei bloggt er für Polar und Gigasport. 

Über die Editorin: Heidi liebt Kaffee, vor allem in Kombination mit einem gesunden Frühstück. Wenn sie gerade keine Beiträge auf Happy Coffee schreibt, berichtet die Weltenbummlerin auf ihrem Blog meerdavon.com über ihre Reisen.