Handpresso: So performt die Espresso-Handpumpe in unserem Test

Handpresso im Test

Handpresso – das klingt nach einem per Hand hergestellten Espresso. Tatsächlich ist der Name bei dem modernen Tool, das sich dahinter verbirgt, wirklich Programm! Denn die Handpresso ist eine tragbare Espressomaschine, die mit handgemachtem Druck und ganz ohne Strom funktioniert. Das macht sie zum perfekten Reisebegleiter aller Espressofans, die auch unterwegs ihr Lieblingsgetränk immer und überall zubereiten wollen.

Nach dem Motto „Espresso in voller Freiheit – Handpresso anywhere“ will sich der französische Hersteller als handliche Alternative zur Siebträgermaschine für reisefreudige, mobile Espresso-Fans behaupten, die ohne ihre komplett ausgestattete Kaffeeecke und oft sogar ohne Strom auskommen müssen. Egal ob man gerade die Alpen erklimmen, die Serengeti-Wüste durchwandern, auf einer einsamen Tropen-Insel verweilen oder einfach nur einen längeren Roadtrip im Auto machen will – guter Espresso soll mit der Handpresso immer möglich sein. Doch klappt es wirklich?

Genau das haben wir (Heidi und Christian von Happy Coffee) uns gefragt und durften die Handpresso Pump ausführlich testen. In diesem Artikel stellen wir die Handpresso genauer vor und resümieren, was sie von anderen bekannten und ebenfalls manuellen Espressobereitern unterscheidet. Außerdem haben wir eine Step-by-Step-Anleitung parat, wie damit Espresso zubereitet wird, und natürlich ein Geschmacksfazit inklusive Tipps getroffen. Ob das Gerät nun einen festen Platz in unserem Camper bekommt? Sei gespannt und lies weiter ;-)  

Handpresso - ohne Strom Espresso machen - Handpumpe

1. Handpresso & Co: Manuelle Espressobereiter  

Bus, Bahn, Schiff, Flugzeug, Auto: Heutzutage sind die meisten Menschen supermobil und gerade wir Mitteleuropäer gelten als sehr reisefreudig. Zwar haben Überlegungen in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit bzw. die Pandemie unser Reiseverhalten verändert, aber unterwegs sind wir nach wie vor – nur eher auf Kurz- und Mittelstrecken, mehr auf Dienst- statt auf Urlaubsreise, zu selteneren aber dafür längeren Trips, sowie verstärkt im eigenen PKW. 

Egal wie du reist, eine Frage bleibt immer dieselbe: Wo bekomme ich unterwegs guten Kaffee oder Espresso her, wenn ich nicht riskieren will, an der Tankstelle oder im Hotel nur „Plörre“ serviert zu bekommen? Und ein gutes Café mit dem Barista des Vertrauens vielleicht nicht in der Nähe, oder einfach nicht jeden Tag im Budget liegt? Die Antwort ist simpel: Mach‘ es selbst, zu Hause wie auf Reisen!

Handpresso - unterwegs Espresso machen

1.1 Do-it-Yourself: Kaffee und Espresso unterwegs

Die „Do-It-Youself“ Attitüde ist der Grund, warum es heute neben guten Handmühlen eine immer größere Auswahl an Reise Kaffeemaschinen auf dem Markt gibt, die handlich sind und ohne Strom auskommen. Kaffeetrinker setzen etwa auf Pressstempelkannen wie die French Press oder die American Press, oder nehmen ihre Handfilter (z.B. kleines Hario V60 Set mit Kanne, AeroPress) einfach mit.

Espressotrinker haben es da schon schwerer, denn die Siebträgermaschine – das Non-Plus-Ultra, wenn es um den nötigen Druck zur Espressoherstellung geht – lässt sich nicht so einfach einpacken. Und das metallene Bialetti-Herdkännchen ist zwar praktisch, zaubert mangels genug Wumms aber eher Mokka, und keinen "echten" Espresso. Sprich: Wer selbst unterwegs guten, stilechten Espresso mit Crema trinken will, wird sich zwangsläufig nach speziellen Alternativen umsehen müssen. 

1.2 Manuelle Espressomaschinen für unterwegs

Falls du dich schon ein wenig mit der Materie befasst hast, werden dir die beiden wesentlichen Fragen „Flair oder ROK?“ bzw. „Handpresso oder Nanopresso?“ vermutlich etwas sagen. Bei ersteren geht es um die Platzhirsche im Segment der Handhebel Espressomaschinen ohne Strom  die streng genommen ohne "Saft" eigentlich gar keine Maschinen sind – bei zweiteren um die deutlich kleineren Handpumpen.

Für die Handhebel Espressomaschinen spricht, dass sie überraschend gute Ergebnisse in die Tasse bringen. Das können wir aus Überzeugung sagen, denn wir haben sowohl die „einheblige“ Flair Espresso (ab ca. 165 Euro) als auch die „zweiheblige“ ROK Espresso (ab ca. 180 Euro) getestet und zu Hause stehen. Sie sind sehr hochwertig, sehen gut aus, und man kann damit wie mit einem Siebträger bei den Zubereitungsparametern gut experimentieren. Allerdings sind sie in der Anschaffung etwas teurer und ziemlich sperrig, wenn man nicht gerade mit einem Wohnmobil unterwegs ist und viel Platz im Wagen hat.

Handhebel Espressomaschine - ROK Espresso vs Flair Espresso

Wer nur wenig Stauraum hat und neben Kaffee eher selten Espresso trinkt, sollte sich die kompakten Handpumpen wie die kapsel-artige Nanopresso (ca. 80 Euro) oder die in diesem Artikel getestete, luftpumpen-ähnliche Handpresso näher ansehen. Die Handpresso vom gleichnamigen französischen Hersteller gib es entweder als einzelne Handpresso Pump (ca. 99 Euro) oder als Set in einem Handköfferchen (ca. 180 Euro) zu kaufen, das neben der Handpumpe noch eine Thermoskanne mit Temperaturanzeige für heißes Wasser sowie vier Espressotassen enthält. Mit den Handpumpen arbeitest du auf kleinstem Raum und Finger- statt Armkraft. Doch wie geht das und reicht der Druck für guten Espresso? Diese Frage beantworten wir gleich!

Handhebel Espressomaschine - Handpresso vs. NanopressoÜbrigens bietet Handpresso neben manuellen Handpumpen ohne Strom auch kleinste elektrische Pumpen fürs Auto an, die an den Zigarettenanzünder oder eine 12 Volt Steckdose angeschlossen werden. Das ist sicher praktisch, wenn man z.B. LKW-Fahrer ist und es superschnell gehen muss. Allerdings sind die Modelle wie Handcoffee Truck (ca. 120 Euro) bzw. Handcoffee Car (ca. 100 Euro) oder Handpresso Capsule (ca. 195 Euro) Kaffeepads bzw. Kaffeekapseln ausgelegt. Damit kann man uns als Kaffeehändler, denen superfrisch geröstete Bohnen für den besten Geschmack wichtig sind, nicht locken. Mit einem Extra-Adapter funktionieren die Auto-Modelle wohl auch mit gemahlenem Kaffee, aber ganz ehrlich – statt der Bastelei würden wir eher einen manuellen Kaffeebereiter oder die Handpresso Handpumpe wählen.

2. Handpresso im Test: Unboxing und Zubereitung

Für den Happy Coffee Test haben wir uns im Handpresso Segment bewusst für die Handpresso Pump im Köfferchen entschieden. Uns war es sympathisch, dass wir so ohne Batterien oder Elektrizität auskommen – nicht nur aus Umweltbewusstsein, sondern auch, weil wir auf das Auto verzichten und z.B. auf einem Spaziergang im Grünen Espresso zubereiten können. Vor dem Losgehen muss man lediglich dran denken, heißes Wasser in die Thermoskanne zu füllen, und die Lieblingsbohnen nebst Handmühle (oder alternativ bereits gemahlenen Kaffee) einpacken. Genau das haben wir gemacht: Mit der Comandante Handmühle und ein paar unserer Happy Coffee Espressobohnen haben wir die Handpresso ausgiebig auf der Wiese getestet :-)

Handpresso im Outdoor Test

2.1 Unboxing: Erster Eindruck

Der Handpresso Köfferchen mit Henkel und Träger ist etwa so groß wie eine kleine Handtasche. Darin ist in vorgeformten Fächern, gesichert durch einen lederartigen Gurt, alles gut verstaut: Neben der manuellen Handpumpe eine Thermoskanne mit Temperaturanzeige, eine Bedienungsanleitung, ein Trockentuch und vier Espressotassen. Letztere sind leider aus Plastik – wir haben uns bei IKEA fast identische Alternativen aus Glas besorgt, die sich ebenso gut im Koffer ineinander stapeln lassen.

Kommen wir zum Herzstück: Die Handpresso Pump selbst. Sie hat ein gutes Arbeitsgewicht, weder zu leicht noch zu schwer, und liegt angenehm in der Hand. Mit dem schwarzen Metallkorpus, teils glänzend, teils matt, und einem gummierten Griff, sieht sie schon stylisch aus. Eine gewisse Vorfreude erweckt der Druckanzeiger an der Handpresso, ein bisschen wie auf dem Jahrmarkt, wenn man vor dem „Hau den Lukas“ Pfahl steht und das Kräftemessen unmittelbar bevorsteht ;-) Übrigens: Einen solchen Druckanzeiger hat die Nanopresso als Vergleichsgerät nicht!

Handpresso - Unboxing

Optisch erinnert das Ganze an eine Fahrrad-Luftpumpe mit Siebhalter an der Seite, und tatsächlich wird mit genau derselben Bewegung, wie man einen Reifen vom Drahtesel aufpumpen würde, Druck zum Espressopressen aufgebaut und später über den Brühknopf abgelassen.

Übrigens sollen laut Hersteller bis zu 16 Bar Druck drin sein. Ob das hinkommt, werden wir gleich im Test sehen. Nicht verlieren sollte man jedenfalls die beiden kleinsten Einzelteile der Handpresso: Zwei Einsätze für den Siebhalter, einer für Espresso Pads, und einer für Kaffeepulver. Bei uns wird nur Zweiteres zum Einsatz kommen. 

2.2 Zubereitung: So funktioniert die Handpresso

Ein Brühvorgang mit der Handpresso ist binnen weniger Minuten erledigt und zaubert von der Menge her etwa einen doppelten Espresso. Mit jedem Mal sitzen die einzelnen Handgriffe etwas besser – welche genau das sind, wollen wir nun beim Resümieren unseres Handpresso Tests erklären. Der fand übrigens auf der Wiese statt, für die authentische Outdoor-Kaffee-Situation ohne Kücheninfrastruktur ;-)

Kleiner Spoiler: Wer die Anleitung zur Handpresso aufmerksam studiert, stößt auf eine maximale Füllmenge von 7g Kaffeemehl im Sieb und 50ml Wasser im Tank. Falls man sich mit Espresso etwas auskennt und an die grobe Brew Ratio (Verhältnis von Kaffeemehl zu Wasser) von etwa 1:2 denkt, der ahnt nun schon, dass hier wahrscheinlich kein besonders kräftiger Espresso rauskommen wird. Selbst für einen Espresso Lungo, der immerhin eine Brew Ratio von 1:3 bis 1:4 benötigt, könnte es dünn werden. Doch warten wir es ab bzw. probieren das Ganze einmal aus.

Handpresso im Happy Coffee Test

Die folgenden Schritte und Angaben beziehen sich auf jeweils eine Tasse Espresso; ein doppelter Bezug wie bei der Siebträgermaschine ist mit der Handpumpe leider nicht möglich. Macht nix - bei Sonnenschein, draußen in der Natur, macht es doch Spaß, ein Tässchen nach dem anderen zu brühen :-)

Schritt 1: Pumpen und Druck erzeugen

Zunächst heißt es genügend Druck aufbauen, der für das spätere Espresso-Drücken benötigt wird. Dazu wird die Handpresso mit dem Manometer nach oben gehalten und die Brühtaste – der kleine Knopf rechts vom Brühkörper – muss im nicht gedrückten Zustand sein bzw. nach oben stehen. Dann wird die Pumpe entriegelt, indem der Griff um 90 Grad gedreht wird. 

Nun darf, wie wir es von einer Fahrradluftpumpe kennen, ordentlich Luft gepumpt werden. Dazu den Griff bzw. die Pumpe mehrmals kräftig nach oben schieben, bis sich der Zeiger des Manometers in den gewünschten grünen Bereich bewegt hat – was wir in etwa 30 Sekunden schaffen. Schon ein bisschen anstrengend ;-) Allerdings lässt sich nur erahnen, ob wir wirklich die beworbenen 16 Bar Druck erzeugt haben, denn exakte Bar-Angaben im Manometer fehlen. Nichtsdestotrotz ist das Pumpen damit beendet, und die Pumpe kann durch Drehen am Griff wieder verriegelt werden.

Handpresso - Luft pumpen

Achtung: Die Brühtaste zum Ablassen des Drucks an dieser Stelle noch nicht berühren! Das steht erst an, wenn wir Wasser sowie das volle Sieb in den Brühkörper eingesetzt und den Brühkörper wieder verschlossen haben.

Schritt 2: Kaffee mahlen und Sieb befüllen.

Als nächste Amtshandlung heißt‘s: Brühkörper aufdrehen. Dazu drehst du die Handpresso auf den Kopf (mit dem Manometer nach unten). Ob der Brühkörper offen oder geschlossen ist, lässt sich links am Schlosssymbol ablesen. Einmal den abgeschraubten Deckel zur Seite gepackt und ein Blick ins Innere der Espresso-Pumpe: Der tiefe, untere Teil des Brühkörpers fungiert als Tank, in den wir später max. 50ml heißes Wasser einfüllen, und obendrauf wird das kleine Sieb mit Kaffeepulver gesetzt (oder alternativ der Espresso Pods Einsatz, den wir aber links liegen lassen). Im Deckel sind innen kleine Wasserdüsen und außen in der Mitte der Ausguss verbaut, der später mit dem befüllten und fest verschlossenen Brühkörper alles in Gang setzt. Soweit die Theorie. 

Handpresso - Brühkörper aufdrehen

Weiter geht’s, und zwar mit Kaffeemahlen. Wie für jede Art der Espressozubereitung greifen wir zu einer frischen Espresso-Röstung, unter anderem den Happy Coffee Robusta. Der ist sowohl für besonders kräftige Aromen als auch die dickste Crema bekannt – das kann bei einem Gerät, bei dem der Druck manuell erzeugt wird, ja nicht schaden, dachten wir. Schnell ein feiner Mahlgrad bei der Comandante Handmühle eingestellt (entspricht 10 Clicks) und los ging’s mit dem Handgelenks-Workout.

Ein vorheriges Abmessen der Bohnenmenge, wie wir es sonst in der Küche tun, entfällt – wir mahlen einmal durch, was der volle Bohnenbehälter der Comandante hergibt, und füllen damit das Sieb der Handpresso bis zum Rand. Das entspricht etwa 7g Espresso. Den Rest des Kaffeemehls lassen wir für den zweiten Espresso im Mahlgutbehälter der Handmühle.

Handpresso - Sieb befüllen

Gleichmäßiges und festes Befüllen des Siebs war für uns bei der Handpresso eher eine Pi-Mal-Daumen Angelegenheit, weil statt eines Tampers der Finger (und ein mitgebrachter Teelöffel) herhalten muss. Dabei krümelt ein bisschen Kaffeemehl daneben. Egal, wir tun unser Bestes, rütteln uns das Kaffeemehl im vollen Sieb zurecht, drücken es immer wieder an und befreien den Rand von verirrten Krümeln. Es flammt der vergleichende Gedanke an unsere ROK Espresso oder auch an die Nanopresso auf, bei denen eine schlaue Kombi aus Dosierlöffel und Tamper beiliegt. So etwas wäre für die Handpresso ebenfalls ein nettes Add On. Doch was wir nicht wussten:

Bei der Handpresso kann der Griff der Pumpe als Tamper benutzt werden - er soll perfekt ins Sieb passen. Darauf hat uns der Hersteller im Nachgang noch hingewiesen.

Schritt 3: Heißes Wasser und Sieb in den Brühkörper einfüllen

Druck haben wir gepumpt, das Sieb mit frisch gemahlenem Kaffee befüllt. Als nächstes muss der Brühkörper vor dem Brühvorgang wieder fest geschlossen werden, aber nicht bevor das Sieb sowie heißes Wasser eingefüllt worden sind. Letzteres kannst du z.B. beim Camping mit dem Gaskocher flux vorbereiten, oder du hast (so wie wir) vor einem Ausflug ins Grüne schon die Thermoskanne des Handpresso-Koffers gefüllt.

Bei der Thermoskanne sind wir nicht komplett begeistert. Positiv ist der schmale Metall-Look und das (für Espresso) großzügige Fassungsvermögen von ca. 350 Milliliter. Man kann sie bis knapp unter den Hals mit heißem Wasser füllen, ohne dass es beim Zuschrauben des Deckels überschwappt. Im Deckel ist ein Temperaturfühler verbaut, doch statt Zahlen gibt es – wie bei der Pumpe auch – wieder nur farbige Flächen. Deshalb muss man sich darauf verlassen, dass „Hot“ irgendwie passt und etwa den idealen 95 °C Wassertemperatur zum Brühen entspricht. Wer aber auch zu Hause eher Pi Mal Daumen mit dem einfachen Wasserkocher arbeitet, den wird das kaum stören.

Etwas nervig ist das Handling, denn auf Knopfdruck tröpfelt das heiße Wasser anfangs eher aus der Handpresso Thermoskanne, so dass das Befüllen des kleinen Wassertanks im Brühkörper eine Weile dauert. Logo, so kippt man nicht aus Versehen zu viel hinein. Doch wer dies bei kalten Außentemperaturen versucht, muss damit rechnen, dass das „hotte“ Brühwasser beim „Einkleckern“ bereits abkühlt. An der Stelle tut eine ganz normale Thermoskanne den Job also wahrscheinlich mindestens genauso gut.  

Handpresso - Brühwasser einfüllen

Egal wie du nun dein heißes Wasser in den Brühkörper der Handpresso füllst: Dosiere es sparsam! Du solltest den Wassertank maximal bis zum Metallgitter befüllen, was 50 Millilitern entspricht. Dann wird das mit ca. 7 Gramm Kaffeemehl gefüllte Sieb oben auf den vollen Tank gesetzt und der Deckel des Brühkörpers wieder aufgeschraubt. Nun kann das Brühen beginnen.

Schritt 4: Espresso mit der Handpresso brühen

Als letztes drehen wir die befüllte, aufgepumpte Handpresso mit der Druckanzeige nach oben zu uns und halten bzw. stellen eine Espressotasse unter den Auslauf, der sich in der Mitte des Deckels vom Brühkörper befindet. Die Handpresso am Griff in der Mitte festhalten, und den Brühknopf einmal nach unten drücken. Achtung: Sobald du das getan hast, wird der Brühvorgang gestartet und kann nicht mehr gestoppt werden! Nun fließt der Espresso binnen 25 bis 30 Sekunden in die Tasse. Am Ende röchelt das Gerät etwas, und wirft weißlichen Schaum aus. In der Tasse landet eine feinbraune Flüssigkeit, an der sich oben weiße Crema absetzt. Die verfliegt allerdings recht schnell. Aber wie schmeckt es nun?

Handpresso - Handhebel Espressomaschine - Outdoor Espresso brühen

4. So schmeckt der Hand(es)presso noch besser 

Bei Verwendung von 7g Kaffeepulver und 50ml Wasser haben wir einen eher hell- bis mittelbraunen Espresso in der Tasse, auf dem die Crema schnell verfliegt. Und das obwohl wir unseren Happy Coffee Robusta verwendet haben – der normalerweise bei Espressozubereitung im Siebträger eine superfette, goldgelbe und standhafte Crema zaubert. Schon mal ein Indiz dafür, dass wir es hier mit einem dünnen Espresso zu tun haben. Die Vorahnung bestätigt sich auf im Geschmack: Es schmeckt nach Espresso, ja. Aber er ist eher von der wässrigen, läppischen Sorte.

Ehrlich gesagt wundert uns das nicht ganz so tolle Ergebnis nicht. Und das hat gar nichts mit zu wenig Druck zu tun, den man solch manuellen Espressobereitern ja gern unterstellt, sondern mit dem Brührezept, welches der Hersteller vorschlägt. Doch wir haben ein paar Ideen, wie man am Geschmack des Hand(Es)presso noch schrauben kann. Zunächst wollen wir aber erklären, wieso wir die Brew Ratio laut Anleitung nicht gelungen finden.

Handpresso im Test - Brew Ratio

4.1 Dünner Espresso wegen zu dünner Brew Ratio? 

Schauen wir noch mal auf die Fakten: Wir haben etwa 7 Gramm Kaffeemehl und 50 Milliliter Wasser verwendet. Damit liegt das Verhältnis von Kaffee zu Wasser bei etwa 1:7 – eine wahnwitzige Brew Ratio für Espresso, weil sie normalerweise bei etwa 1:2 bis 1:2,5 liegt. Da haben wir schon unsere Erklärung, wieso der Espresso aus der Handpresso viel zu dünn schmeckt und sich eigentlich gar nicht so nennen darf. Nicht mal ein Espresso Lungo ist es, also ein mit Wasser verlängerter Espresso, bei dem man eine Brew Ratio von 1:3 bis 1:4 ansetzen würde. Es stellt sich also die Frage, ob wir die Brew Ratio der Handpresso irgendwie verbessern können. 

4.2 Brew Ratio verbessern

Die erste Überlegung: Mehr Kaffeemehl ins Sieb füllen. Das geht leider nicht, denn der Platz im Sieb ist begrenzt. Schlimmer noch: Wer das Sieb einfach locker-flockig aus dem Handgelenk befüllt, landet eher bei 6g Kaffeemehl und damit einer noch dürftigeren Brew Ratio! Dass das so ist, haben wir abgemessen. Um auf wenigstens 7 Gramm Kaffeemehl zu kommen, musst du das Kaffeemehl beim Füllen mehrfach Leveln bzw. breit rütteln, indem du das Sieb kurz auf eine ebene Unterlage klopfst. Außerdem sollte man mit dem Finger oder Teelöffels irgendwie Tampen. 

Der Hersteller der Handpresso hat uns übrigens versichert, man könne die Menge an Kaffeepulver im Sieb - sofern man den Griff der Pumpe als Tamper nutzt - auf bis zu 9 Gramm steigern. Beim nächsten Mal werden wir das ausprobieren.

Handpresso - Brew Ratio

Die zweite Überlegung: Du könntest weniger Wasser in den Tank füllen. Zur Erinnerung: Wenn wir bis ganz unter die Kante des Tanks füllen, landen wir bei 50ml; und wenn wir das Sieb-Trägerkreuz darunter anvisieren, sind es immer noch 48ml. Um auf eine für Espresso „gesunde“ Brew Ratio von 1:2 zu kommen, dürften es bei 7 Gramm Kaffeemehl nur 14ml sein – doch dann ist kaum noch etwas in der Tasse... Unser Vorschlag zur Güte:

Versuch es bei 7 Gramm Kaffeemehl mit einer Wassermenge von ca. 28 Milliliter. Das schaffst du, indem es noch genug Abstand zum kreuzförmigen Siebhalter der Handpresso hat. Von der Brühmenge her bekommst du so einen einfachen Espresso, auch wenn das Brühverhältnis eher einem Espresso Lungo entspricht. So schmeckt das Ergebnis gleich viel kräftiger und aromatischer! Mit unserem Happy Coffee Capim Branco beispielsweise – einer fantastischen Omni Roast – konnten wir auf diese Weise sogar die sortentypischen Schoko-Beeren-Noten in die Tasse kitzeln. Und der Happy Coffee Robusta hat sich in Sachen Crema auch gleich etwas versöhnlicher gezeigt.

Ansonsten kannst du nicht mehr für deine Handpresso und deinen Genuss tun, außer vielleicht die folgenden Tipps probieren: Besser tampen, feiner mahlen.

Handpresso im Test

4.3 Ordentlich tampen, feiner mahlen

Barista und Kaffeekenner predigen zum Leveln und Tampen: Wer zu fest tampt, verdichtet das Kaffeemehl im Sieb womöglich zu sehr und riskiert normalerweise eine Überextraktion, weil das Brühwasser dann zu langsam durch das Mahlgut fließt. Angesichts der dünnen Brew Ratio gehen wir bei der Handpresso das Risiko aber bewusst ein und fahren mit viel Tampen gut: So schmeckt das Ergebnis in der Tasse (vor allem bei reduzierter Wassermenge) runder und kräftiger. Nur der Brühvorgang dauert etwas länger und der Puck ist schwerer entfernbar, da er natürlich „gepresster“ ist. Doch das ist uns allemal lieber als ein zu läppischer Espresso.

Insgesamt vermuten wir, dass das Gerät vielleicht eher für Espresso Pods nach E.S.E. Standard (44mm) ausgelegt ist – in denen steckt zwar auch nur 7 Gramm Kaffeepulver, aber es ist eventuell besser (da maschinell) verdichtet. Doch das ist wirklich nur ein ganz vager Erklärungsversuch.

Ansonsten könntest du versuchen, deinen Espresso mit der Handmühle noch ein bisschen feiner zu mahlen. Gerade mit der Comandante geht das super, und mit feinerem Kaffeemehl kannst du ein wenig mehr davon im Sieb unterbringen und tampen. Doch wenn es zu fein wird, landen eventuell feinste Schwebeteilchen mit in deiner Espressotasse.

Handpresso - Bohnen feiner mahlen

4.4 Tricks zur Reinigung der Handpresso

Wenn du mit deiner Handpresso fertig gebrüht hast, schraube den Brühkörper vorsichtig auf – es kann im Inneren noch heiß und ggf. Restdruck vorhanden sein. Den Kaffeepuck bekommst du aus dem Sieb, indem du von unten leicht dagegen drückst. Den Brühkörper und den Deckel kurz durchspülen, trocknen lassen, und dann ist das Gerät wieder für den nächsten Einsatz parat. Und vor allem sind keine Rückstände mehr vorhanden, die den Geschmack des nächsten Espresso trüben könnten. 

5. Unser Fazit zur Handpresso

Ob die Nanopresso als direkter Wettbewerber der Handpresso nun anders performt, konnten wir nicht direkt vergleichen. Allerdings kannst du hier einen Testbericht lesen, und ein Blick auf die Fakten zeigt, dass die Nanopresso ebenfalls mit einer recht dünnen Brew Ratio arbeitet. Abschließend wollen wir unseren Eindruck zur Handpresso noch einmal in kurze Pros und Contras zusammenfassen.

Pro:

  • Mobile Espressomaschine ohne Strom
  • Leichte Handhabung
  • Wenig Gewicht, im Van oder beim Camping leicht zu verstauen
  • Mit Experimentieren ist akzeptabler Espresso möglich
  • Als Köfferchen schick und wertig, und ein schönes Geschenk

Contra:

  • Mit Standardrezept eher dünner Espresso wegen dünner Brew Ratio
  • Dosierlöffel fehlt
  • Druckmesser ohne exakte Bar-Angaben
  • Thermoskanne hat verbesserungswürdigen Ausguss
  • Espressotassen sind aus Plastik 

Unserer Meinung nach ist die Handpresso am ehesten für Gelegenheitstrinker interessant, die viel auf Reisen sind und eventuell sogar flexibel zwischen gemahlenem Kaffee und Espresso Pods hin- und herwechseln möchten. Wer hingegen einen authentischen, kräftigen Espresso und gleichzeitig ein mobiles Gerät möchte, sollte sich eher die ROK Espresso oder die Flair Espresso ansehen – die aber natürlich deutlich teurer und sperriger sind. Am Ende entscheidet wie immer der persönliche Geschmack!

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Über die Autorin: Heidi liebt Kaffee, vor allem in Kombination mit einem gesunden Frühstück. Wenn sie gerade keine Beiträge auf Happy Coffee schreibt, berichtet die Weltenbummlerin auf ihrem Blog meerdavon.com über ihre Reisen.