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Seit einiger Zeit tauchen in den angesagten Cafés diese neuartigen Kaffeezubereiter auf, die in ihrem Aufbau an eine Versuchsanordnung wie im Labor erinnern. Als ich das erste Mal bei einer Kaffee-Zubereitung mit dem Syphon zusah, war ich fasziniert von den physikalischen Prozessen, die sich dank des aus Glas bestehenden Geräts beobachten lassen. Spätestens nachdem ich von dem Ergebnis probiert hatte, war ich überzeugt: Mit dieser Brühmethode lassen sich außergewöhnlich viele Aromen aus dem Kaffee befreien. Aber Moment mal. Ist diese Methode wirklich neu? Und eignet sie sich auch für den Hausgebrauch? Wir haben nachgeforscht.

Woher die Idee vom Syphon stammt

Der Syphon ist ganz sicher (und zu Recht) ein aktueller Hype. Aber kein neuer, denn der Kaffeezubereiter erlebt gerade ein regelrechtes Comeback. Die Methode, durch Unterdruck - also mit einem Vakuum - Kaffee zuzubereiten wurde schon in den 1830er Jahren von der Firma Loeff erfunden. Produktionsreif gestaltet und patentiert wurde die Vakuum-Brüh-Methode dann 1840 von einer französischen Lady, Madame Vassieux. Sein aufwendiges und ansehnliches Design machte ihn eben schon damals zu einem wahren Hingucker, der gerne Kaffeegästen vorgeführt wurde.

Syphon - Mit Vakuum Kaffee kochen

Ein elegantes Zusammenspiel aus Borsilikatglas und Metall (Photo by Dudley Carr (CC BY 2.0)

Der Name "Syphon" (teilweise auch "Siphon" genannt) stammt übrigens aus dem Altgriechischen und bedeutet so viel wie Rohr oder Leitung. Damit wurden schon früher Geräte bezeichnet, bei denen der Fluß von Flüssigkeiten von A nach B involviert war. Und nichts anderes passiert auch beim Syphon Kaffeezubereiter.

Aufbau des Syphon Kaffeezubereiters

Die Gestaltung des frühen Syphon erinnerte mit seinem geschwungen Rohr, das zwei Gefäße miteinander verband, tatsächlich an ein Leitungssystem. Die heute typische Gestaltung geht mit dem geraden Aufstiegsrohr, das die beiden übereinander liegenden Glaskolben verbindet, auf den Bauhaus Designer Gerhard Marcks zurück.

Ein moderner Syphon ist schon ein echtes Schauspiel. In der folgenden Animation siehst du, wie der Kaffeezubereiter funktioniert

(1) Wasser wird im unteren ballonförmigen Glaskolben erhitzt - hier mit Hilfe eines Brenners.

(2) Ein zweiter Glaskolben wird mit einem Steigrohr von oben in den unteren Kolben eingefügt und über eine Gummimanschette abgedichtet. Dort kommt nun frisch gemahlener Kaffee hinein.

(3) Das kochende Wasser wird durch das Aufstiegsrohr vom unteren in den oberen Glaskolben gepresst, wo es sich mit dem Kaffeemehl vermischt.

(4) Nach dem Abkühlen sinkt der fertige Kaffee in den unteren Glaskolben ab. Der Kaffeesatz wird dabei durch Schwerkraft und den Druckunterschied herausgefiltert und bleibt im oberen Glaskolben zurück - dank eines eingebauten Filters aus Stoff, Metall oder Glas. So gelangen keine metallischen oder papiernen Beigeschmäcker in den Kaffee. 

Viele Syphons verfügen heute über eine eigene Hitzequelle. Zum Beispiel einen Gasbrenner oder eine leuchtende Platte mit Touch Screen Display. Einfachere Syphons werden einfach auf den Herd gestellt, wobei dies sicher die weniger ansehnliche Variante ist – denn neben dem Laborcharakter liefern die Gasflamme oder der Beam Heater tolle Lichteffekte.

Wie du mit dem Syphon Kaffee zubereitest

(1) Kaffee mahlen. Zunächst solltest du – wie bei jeder Kaffeezubereitung – möglichst frisch guten Kaffee verwenden und ihn frisch mahlen. Da die Kontaktzeit bei der Zubereitung mit dem Syphon recht lang ist, empfiehlt sich ein gröberer Mahlgrad (5-6).

(2) Wasser erhitzen. Gebe schon vorgewärmtes Wasser in den unteren Kolben und schalte die Hitzequelle ein. Das obere Glasgefäß legst du zunächst nur locker mit dem Aufstiegsrohr in den Kolben ein, so dass dieser leicht zur Seite abfällt und noch etwas Luft durchlässt. Wenn das Wasser zu kochen beginnt, montierst du das obere Gefäß fest im unteren Kolben. Wie bei der klassischen Espressokanne sorgt der Überdruck nun dafür, dass das Wasser in das obere Gefäß steigt. Ein Wunder der Physik!

(3) Kaffeepulver einrühren. Und zwar in den oberen Glaskolben mit dem heißen, doch nicht kochenden Wasser. Reguliere dabei die Hitze etwas runter - so dass der Kaffee zwar erhitzt wird, aber nicht zerkocht und so seine vielfältigen Aromen verliert. Behalte den Kaffee für ca. 1,5 Minuten im oberen Gefäß und rühre ihn am Ende noch einmal leicht um.

(4) Abkühlen lassen. Entferne nun den Syphon von der Hitzequelle und das zweite physikalische Wunder wird sich zeigen: Durch den Temperaturabfall entsteht ein Unterdruck und der Kaffee wird durch den Filter zurück in den Kolben gesaugt.

(5) Genießen. Du entfernst nun das obere Gefäß und kannst dir schonend zubereiteten Kaffee einschenken. Viel Spaß beim Geschmackserlebnis dank der vielen erhaltenen Kaffeearomen – bis zu 800 Aromen tänzeln nun auf deiner Zunge!

In dem folgenden, sehr künstlerisch angehauchten Video siehst du nochmal alle Schritte im Überblick.

 

Und wie schmeckt der Kaffee aus der Syphon nun? Sofern man alles richtig macht, auf jeden Fall sehr rund und ausgewogen! Denn hier wird die Immersions-Methode, wie wir sie von der French Press kennen, mit einem eingebauten Filter kombiniert. Das verspricht die volle Entfaltung der Aromen ohne nervigen Kaffeesatz im Mund. Einen Haken hat das Ganze aber: Die Syphon erfordert mehr Zeit und ist nichts für eine schnelle Nummer.

Gute Syphon Kaffeezubereiter kaufen

Als ich das erste Mal einen Syphon im Café in Action sah, dachte ich dass so ein Gerät wahrscheinlich ein Vermögen kostet. Doch weit gefehlt! Es gibt Modelle für deutlich unter 100 Euro, und viele kosten nicht mehr als eine handelsübliche French Press. Insbesondere zwei Vertreter haben sich im Heimgebrauch bewährt:

  • Bodum Pebo (etwa 40 Euro). Dieser Syphon ist, wie fast alles von Bodum, ein echtes Design-Highlight. Die Glaskolben sind etwas rundlicher als bei anderen Modellen. Er kann entweder auf den Herd gestellt werden (Achtung: Induktionsherde erkennen den Glaskolben nicht!) oder man kauft sich den speziellen Gasbrenner dazu.
  • Hario TCA Syphon (etwa 80 Euro). Die japanische Firma Hario liefert nicht nur fantastische Pour Over Kaffeebereiter. Auch ihr Syphon ist allen Kaffeekennern wohlbekannt und liefert  überzeugende Ergebnisse! Und im Gegensatz zum Modell von Bodum ist der Gasbrenner hier im Set sogar mit dabei. Ebenfalls ein super Modell ist der Hario Syphon VD.

Syhon von Bodum und HarioLinks: Bodum Pebo, Mitte: Hario TCA-5, Rechts: Hario VD

Syphon selber basteln?!

Wer nicht in einen Syphon investieren möchte, findet nachfolgend eine Anleitung für den DIY-Syphon. Alles was ihr braucht sind zwei Glühbirnen, eine Pipette und etwas Werkzeug. Naja, und natürlich etwas Abenteuerlust und Geschick! Es gibt dann jedoch nur eine kleine Tasse Kaffee und Vorsicht vor Glassplittern ist auch geboten

Artikelbild: Photo by Dudley Carr (CC BY 2.0)

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Über die Autorin: Mit Latte Macchiato aus dem heiß geliebten Porzellan-Espressokocher beginnt für Deva ein guter Start in den Tag. Sie hat Philosophie und performative Kunst studiert und lebt und arbeitet in Hamburg. Neben Kaffee interessiert sie gesunde Ernährung, Tanzen und Surfen.



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