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Sobald die Temperaturen milder werden und ein Hauch von Frühlingsduft in der Luft liegt – egal zu welcher Jahreszeit – darf es gerne mal kalter Kaffee sein. Vor allem beim Gedanken an den ersten Eiskaffee des Jahres kommt Vorfreude auf! Wir möchten euch hier eine Reihe von erfrischenden Eiskaffees vorstellen – vom mit Speiseeis oder Eiswürfeln gekühltem Kaffee, über Leckereien aus Eis und Espresso, bis hin zum erfrischenden Kaffee-Cocktail mit dem gewissen Kick. Doch zunächst wollen wir etwas mehr zur Geschichte des Eiskaffees verraten und die wesentliche Frage klären, ob der Kaffee dafür kalt gebrüht sein muss oder auch abgekühlt sein darf.

1. Eiskaffee: Was ist das überhaupt?

Fiel früher das Wort Eiskaffee, haben wir lange an die typischen Kalorienbomben aus Vanilleeis, Sahne und Schokosoße mit etwas kaltem Kaffee gedacht – so wie man sie noch von früher aus der Eisdiele kennt. Dabei fragt man sich ja, ob sie eher in die Kategorie "Eisbecher" oder "Kaffeespezialität" einzuordnen sind...

Obwohl es mittlerweile eine Vielzahl an Eiskaffee-Variationen gibt, bekommst du in den meisten Eiscafés immer noch das altbekannte, kalorienreiche "Dreamteam" vorgesetzt: Eiscreme (teils ersetzt durch den immerhin etwas leichteren Frozen Yoghurt), Sahne und Schokolade. Doch das reduziert die Geschmacksvielfalt des Kaffees leider auf ein Dessert mit Kaffeearoma.

Eiskaffee - Wien

1.1 Vanilleeis im Eiskaffee kann, muss aber nicht sein...

In Italien, quasi dem Mutterschiff von gutem Kaffee, wird Eiskaffee ganz klassisch als Café Freddo getrunken. Dabei wird je nach Bedarf gesüßter Espresso in ein gut gekühltes Glas mit Eiswürfeln gegeben – von Vanilleeis hingegen keine Spur. Seinen Ursprung hat der Begriff des Eiskaffees daher weniger dem Speiseeis als in der Tatsache zu verdanken, dass Eiskaffee ein eiskalt gekühltes, erfrischendes Sommergetränk ist.

Die allgemein bekanntere Version des Eiskaffees mit Vanilleeis erfuhr wohl das erste Mal in Wien einen regelrechten Hype, als der bis heute beliebte Wiener Eiskaffee entstand. Der italienische Kaffeesiedler Milani bot in seinem Wiener Limonadenzelt im Jahre 1790 mit heißem Mokka übergossenes Vanilleeis an. So entstand eine süße, cremige Mischung, die mit einem Topping aus Schlagobers, Schokostreuseln und runden Eiswaffeln serviert wurde.

1.2 Kaffee und Eiswürfel: Weniger Kalorien und mehr Aroma

Da wir mehr am Geschmack von Kaffee als am Vanilleeis interessiert sind, schenkten wir Eiskaffee lange Zeit nur wenig Beachtung. Bis wir vor ein paar Jahren in einem hippen Rotterdammer Café in den Genuss eines schlicht auf Eiswürfeln servierten Espresso kamen, der nur mit ein wenig Agavendicksaft gesüßt wurde. Dieser Eiskaffee war so herrlich erfrischend und erweckend, und kam obendrein noch ohne den bekanntermaßen schädlichen Zucker aus. Wer mag, kann sich einen solch minimalistischen Eiskaffee natürlich auch noch mit einem Schluck Milch oder pflanzlichem Milchersatz verfeinern, was im Glas für ein wunderschönes Marmor-Muster sorgt.

Eiskaffee - Kalter Kaffee und Milch

Bei uns vertreibt der pure kalte Kaffee mit Eiswürfeln gerade im Sommer jedenfalls sogar die gewohnten Getränke wie z.B. normalen Filterkaffee oder Latte Macchiato vom Speiseplan. Obwohl wir gestehen müssen, dass uns der dafür benötigte Espresso zu Hause anfangs nicht so genial gelang wie dem Barista-Künstler aus dem Rotterdammer Café... Übung macht auch hier den Meister! Einmal auf den Geschmack gekommen begaben wir uns auf die Suche nach weiteren Eiskaffee-Rezepten, die wir euch nun vorstellen. Doch eine wichtige Frage gilt es zuvor zu beantworten..

2. Eiskaffee: Kaffee abkühlen oder kalt brühen?

Kalter Kaffee steht gemeinhin für “nicht lecker”. Dass das nicht stimmt, könnt ihr in unserem Cold Coffee Guide nachlesen. Trotzdem bleibt noch eine ganz wichtige Frage zu klären: Kann man zur Zubereitung von Eiskaffee den Kaffee einfach abkühlen lassen oder soll man ihn lieber gleich kalt aufbrühen?

Tatsächlich ist beides möglich und auch erkalteter Kaffee ist weitaus besser als sein Ruf! Der kommt wohl nur daher, dass es einfach nicht schmeckt, wenn man warmen Kaffee erwartet und plötzlich etwas kaltes im Mund hat – das ist in etwa so, als würdest du Apfelpunsch erwarten und versehentlich zum Bierglas greifen. Es schmeckt widerlich! 

2.1 Erkalteter Kaffee: Bequem und meistens kein Problem

Du willst für Eiskaffee erkalteten Kaffee verwenden? Kein Problem! Wichtig ist dann nur, dass er wirklich fertig gefiltert ist. Das heißt, dass er fertig durch den Handfilter oder deine Filterkaffeemaschine lief, und nun als fertiger und vom Kaffeepulver getrennter Kaffee in der Kanne ist. Bei allen Pour Over- bzw. Filtermethoden ist das also gar kein Problem.

Hingegen solltest du einen schalen Rest aus der French Press nicht nehmen, weil bei dieser Full Immersion Methode das Kaffeemehl und das Brühwasser selbst nach Ende der Brühzeit noch zusammen in der Kanne sind. Solche Reste sind also garantiert überextrahiert und daher definitiv zu stark und zu bitter, und würden deinen Eiskaffee nur verderben. Bei der American Press fällt das Risiko der Überextraktion übrigens etwas geringer aus, weil sie ein geschlossenes Filterelement hat. Dennoch empfehlen wir bei allen Seihkannen, den Kaffee zu brühen und nach Brühende umzufüllen, und für Eiskaffee abkühlen zu lassen, bevor du ihn verwendest.

Eiskaffee - Kaffee kalt werden lassen

Und wie sieht es bei Rezepten mit Espresso aus? Genauso wie bei normalem Filterkaffee! Also mit der Siebträgermaschine oder Mokkakanne brühen, und danach vor Verwendung (zumindest etwas) abkühlen lassen. Hier musst du jedenfalls keine Überextraktion befürchten.

2.2 Kalt gebrühter Kaffee: Aromatisch und voll im Trend

Einen klaren Vorteil hat kalt aufgebrühter Kaffee im Vergleich zur abgekühlten Variante: Durch den schonenderen, weil kalten Brühprozess mit kühlem statt heißem Brühwasser werden weniger Bitterstoffe aus dem Kaffeemehl gelöst.  Deswegen schmeckt kalt gebrühter Kaffee nicht nur milder, sondern auch aromatischer – weil sich die Noten der jeweiligen Kaffeesorte (z.B. fruchtige, blumige, zitrische, nussige oder schokoladige Aromen) noch besser entfalten können. So kannst du deinen Lieblingskaffee nochmal ganz neu entdecken! Aus diesen Gründen erfreuen sich Cold Brew und Cold Drip Coffee zunehmender Beliebtheit und werden in trendbewussten Cafés angeboten.

Doch auch zu Hause lässt sich beides einfach herstellen: Für Cold Brew brauchst du eine Brühkanne, in der das Kaffeemehl für einige Stunden im Wasser zieht, und für Cold Drip einen Dripper, in dem kaltes Wasser Tropfen für Tropfen auf das Kaffeemehl im Filter rieselt. Beide Arten des Kaltgebrühten  schmecken unterschiedlich, doch haben eins gemeinsam: Sie erfordern etwas Zeit, doch lohnen sich geschmacklich definitiv, und das ganz ohne Extras wie Eiscreme. Wir nehmen übrigens am liebsten den DRIPSTER² 2-in-1 Cold Brew Dripper (siehe folgendes Bild) – ein Kombigerät, mit dem du sowohl Cold Brew als auch Cold Drip spielend leicht hinbekommst.

Eiskaffee - Cold Brew Cold Drip Coffee

Was viele nicht wissen: Selbst mit der Chemex kannst du einen Cold Drip Coffee zaubern, der in diesem Fall "Ice Brew" oder "Flash Brew" genannt wird. Dazu wird einfach die Hälfte des Brühwassers mit Eiswürfeln ersetzt, die vor dem Brühen unten in die Glaskanne gegeben werden. 

3. Eiskaffee: Unsere liebsten Varianten

So, nun aber genug der langen Vorrede! Wir stehen also mehr auf puren Kaffeegenuss als auf viel Drum Herum, und bereiten uns den Kaffee dafür entweder gleich kalt zu oder lassen ihn abkühlen. Je nachdem, auf welches der folgenden Rezepte für Eiskaffee wir gerade Lust haben.

Cold Brewed Ice Coffee: Der hippe Eiskaffee

Wie man einem guten Cold Brew Kaffee herstellt, haben wir euch bereits in diesem Artikel vorgestellt. Zwar ist die Vorbereitung zeitlich mit 12 bis 24 Stunden Wartezeit etwas lang, doch der Aufwand lohnt sich! Denn erstens schmeckt Cold Brew herrlich klar, blumig und rein, und zweitens hält sich der gewonnene kalte Kaffee für bis zu 4 Wochen im Kühlschrank.

Eiskaffee - Cold Brew

Einmal zubereitet braucht ihr dann nur noch ein paar Eiswürfel in ein Glas geben, den Cold Brew Coffee hinein füllen und je nach Bedarf mit etwas Milch und Zucker (am besten in flüssiger und leicht mischbarer Sirupform) aufpeppen. Wer es ganz ausgefallen mag, gibt Flavored Syrup (z.B. Lavendel) hinzu.

Coffee on the Rocks: Kaffee auf Eis

Wenn es mal etwas schneller gehen soll, bietet sich dieses Rezept für einen frisch aufgebrühten und dennoch eiskalten Filterkaffee an! Spült für den Coffee on the Rocks (also Kaffee auf Eis) zunächst den Kaffeefilter mit etwas heißem Wasser aus. So vermeidet ihr, dass sich Papieraroma in euren Kaffee schleicht. Dann kommt das Kaffeepulver hinein und das Brühwasser. Alles wie gewohnt.

Eiskaffee - Coffee on the Rocks

Gebt dann aber Eiswürfel in den Kaffeebehälter und lasst den Kaffee direkt auf die Eiswürfel tropfen, so dass dieser sich sofort abkühlt! So wird aus dem frisch gebrühten Filterkaffee im Nu ein Eiskaffee. Damit er nicht zu wässrig wird, am besten etwas stärker als sonst dosieren! Für das beste Aroma verwendet ihr eine Chemex. Wer diese nicht zur Hand hat, kann auch zur herkömmlichen Filterkaffeemaschine greifen.

Granita de Café: Crushed Ice Coffee

Dieser aus Crushed Ice bestehende Eiskaffee eignet sich besonders für die ganz heißen Sommertage. Bereitet dazu einfach frischen Espresso zu, den ihr nach Bedarf mit Zucker, Vanillezucker oder alternativ auch Agavendicksaft süßt. Stellt diesen nun für 3 Stunden ins Tiefkühlfach und rührt ihn mindestens 1 x pro Stunde um, damit kein fester Eisblock entsteht. Nach den 3 Stunden muss der "Eis-Espresso" nur noch ganz kräftig gecrusht – also zerstossen – werden und kann dann als Granita ("Halbgefrorenes") genossen werden.

Eiskaffee - Granita

Granita al Café mit einem Schuss Vanilleeis (Coffee Granita by julesCC BY 2.0)

Affogato al Café: Klassiker mit Speiseeis

Auch wenn uns die Vermengung von Vanilleeis mit Kaffee bisher nicht wirklich überzeugen konnte, möchten wir euch diesen Klassiker mit Vanilleeis vorstellen. Gebt für den Affogato al Café eine Kugel Vanilleeis in eine kleine Tasse und lasst einen oder zwei Espressi darüber laufen. Übrigens bedeutet "Affogato" soviel wie "ertränkt" – Eis wird also liebevoll in Espresso ersäuft.

Die Kunst beim Affogato besteht darin, dass sich Espresso und Vanilleeis nur leicht vermengen. So ergibt sich eine höhere Geschmacksvielfalt vom puren Espresso über sich langsam damit verschmelzendes Vanillearoma bis zum süßen Höhepunkt des puren Vanilleeis. Daher bitte nicht rühren, sondern Schicht für Schicht das Geschmackserlebnis genießen!

Eiskaffee - Affogato

Dublin Iced Coffee: Leckerer Kaffeecocktail

Ein Cocktail mit Kaffee ist nicht nur erweckend, sondern man wird auch etwas angeheitert. Wer's mag, findet damit den perfekten Starter für die Party-Nacht. Ein leckerer, leicht zubereiteter und durch seine Marmorierung toll aussehender Drink ist der Dublin Iced Coffee. Was du dafür brauchst:

  • 6cl Cold Brew Coffee (stark)
  • 6cl Stout Beer
  • 3cl Irish Whiskey
  • 2cl Zuckersirup
  • 3cl Konditorsahne (Sahne mit 40% Fett)
  • Eiswürfel

Eiskaffee - Dublin Iced Coffee

Dublin iced coffee with cream (by Marco Verch, CC BY 2.0)

Fülle alle Zutaten bis auf die Sahne in ein Highball-Glas und rühre oder shake sie. Gib dann vorsichtig die Sahne hinzu, so dass sich die besondere Marmor-Struktur ergibt. Du kannst den Drink noch mit einer Prise Zimt verfeinern!

Und nun Bon Appetit! Wir wünschen euch freudige Geschmackserlebnisse beim Ausprobieren der Rezepte. Teilt uns gerne mit, welcher Eiskaffee euer ganz besonderer Favorit ist.

***
Über die Autorin: Mit Latte Macchiato aus dem heiß geliebten Porzellan-Espressokocher beginnt für Deva ein guter Start in den Tag. Sie hat Philosophie und performative Kunst studiert und lebt und arbeitet in Hamburg. Neben Kaffee interessiert sie gesunde Ernährung, Tanzen und Surfen.



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